Stadtrallye St. Lamberti

Die Suche nach dem Hermanus-Kelch

Kapitel 3

Hermann erstarrte. Er fühlte ein leichtes Beben unter seinen Füßen und die Säule glitt zur Seite. Wo sie gestanden hatte, war nun der Eingang zu einer dunklen Höhle zu sehen. Das Grollen war jetzt noch lauter und beängstigender als vorher. Zögerlich wagte er sich vor und schaute sich vorsichtig um. Und dann … sah er ihn. Vor ihm lag ein riesiger Drache. Jede einzelne seiner golden und silbern schillernden Schuppen war so groß wie ein Wagenrad.

Hermann traute sich nicht, sich zu rühren, denn noch hatte das große Wesen ihn nicht bemerkt und das wollte er auf keinen Fall ändern. Als er den Blick auf der Suche nach einem Versteck schweifen ließ, sah er plötzlich das schönste Mädchen, dass ihm je begegnet war. „Das muss Herzeloy sein!“, dachte er und war von ihrem Liebreiz so verzaubert, dass er alle Vorsicht vergaß. Er rannte auf Herzeloy zu und rief: „Komm schnell, hierher! Ich befreie dich aus den Klauen dieser Bestie!“ Da erscholl eine laute, dröhnende Stimme: „Wer stört die Ruhe in dieser Höhle?“ Natürlich hatte der Drache Hermann entdeckt und fixierte ihn nun mit wachsamen Augen. Hermann bekam weiche Knie und hatte Angst, aber er reckte tapfer seinen Kopf in die Höhe und antwortete: „Es tut mir leid, Drache, aber ich weiß nicht, wie ich heiße. Was ich dir sagen kann ist, dass ich gekommen bin, um das Mädchen Herzeloy zu befreien. Sein Vater sitzt verzweifelt und einsam zu Hause und vermisst es sehr.“ Da staunte das Mädchen und sprach: „Mein Vater ist einsam? Wir hatten immer das ganze Haus voller Diener und Mägde. Wie kann Vater da einsam sein?“ Hermann erzählte ihm, was er über seinen Vater wusste und auch der Drache hörte interessiert zu. Herzeloy war ganz bestürzt und bat den Drachen: „Lieber Drache, ich habe dir in den letzten Monaten gerne geholfen, aber nun sorge ich mich um meinen Vater. Ich würde gerne zu ihm gehen, obwohl ich dir versprochen habe, dir zu helfen.“ Hermann wunderte sich nicht gerade wenig, wie das Mädchen mit dem Drachen sprach. Es lag überhaupt keine Furcht in seiner Stimme, und es schien auch keinen Groll gegen das riesige Wesen zu hegen.

Der Drache sprach: „Ach, Herzeloy! Du warst eine wunderbare Gesellschaft und du hast mir sehr geholfen, meinen Drachenschnupfen zu bekämpfen, aber nun ist es Zeit für dich, wieder nach Hause zu gehen. Dein Vater wartet auf dich. Und mir kann dauerhaft nur eine Medizin helfen aus drei Einhorntränen, sieben Fuchshaaren, zwei Rotbuchenblättern, …“ „…und einer Kelle Wasser aus dem magischen Brunnen.“ Die letzte Zutat sagten alle drei im Chor. „Du weißt davon?“, fragte der Drache Hermann. „Ja!“, antwortete dieser. „Und wir werden dich nicht im Stich lassen. Komm Herzeloy! Wir machen uns auf die Suche nach den Zutaten und bringen sie deinem Drachen. Dann kannst du ohne schlechtes Gewissen wieder zu deinem Vater zurückkehren.“ „HALT!“, donnerte der Drache und Herzeloy und Hermann erstarrten mitten in ihrer Bewegung. „Die erste Zutat könnt ihr direkt hierlassen.“ „Welche denn? Wir haben doch noch gar keine!“, fragte Hermann ganz verwirrt. „Doch, du hast an deiner Hose Fuchshaare hängen. Die kannst du mir geben.“ Da erinnerte sich Hermann an den Fuchs, der ihm um die Beine gestrichen war und suchte seine Hose nach dessen Haaren ab, die dem aufmerksamen Blick des Drachen nicht entgangen waren. Danach ließ der Drache sie ihres Weges ziehen.

Entscheidet euch: Begegnen Herzeloy und Hermann zuerst einem Einhorn? Dann lest bei Kapitel 10 weiter. Finden sie zuerst den magischen Brunnen? Dann lest bei Kapitel 8 weiter.

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